O-Jollen Dreiländerpreis 2022

25. und 26. Juni 2022 beim Waginger Segelclub e.V.

 

von ANDREAS KNITTEL

 

 

Viel feiner geht es nicht. Schon gar nicht für den, der am Samstag in der Früh nach nicht einmal einer Dreiviertelstunde Fahrt bei Sonnenschein den riesigen Campingplatz an „Bayerns wärmstem Badesee in windgeschützter Lage“ (Zitat der Tourismuswerbung) hinter sich gelassen und die Pforte zum großzügig angelegten Clubgelände passiert hat! Viel Platz für leider nur 10 O-Jollen, denn heuer ließen die Finn-Dinghy den Waginger- zu Gunsten des Wolfgangsees links (= westlich) liegen.

 

6 Segelkameraden aus dem Bayrischen, 3 Österreicher und 1 – „Respekt und Danke, lieber Wolfgang, dass Du Dich immer wieder von Deiner Frau zu uns kutschieren lässt!“ – Schweizer.

 

Dass angesichts dieses vorbildhaften Eidgenössischen Engagements nur ich den Weg aus der aktuellen O-Jollen-Hochburg Mattsee über den Haunsberg fand, ist beschämend und wird lediglich davon übertroffen, dass vom veranstaltenden Verein, dessen Stander immerhin eine stilisierte O-Jolle im Zentrum hat, gar keiner Zeit für die Teilnahme fand.

 

Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Bemühte Organisatoren und Helfer sowie ein erkennbar ambitionierter Wettfahrtleiter, der trotz übelster Windprognosen Zuversicht ausstrahlte, ließen uns bei (noch) leichter Brise aus hautsächlich Nordwest auslaufen: Der Start zur ersten Wettfahrt „stotterte“ wegen des nicht haltenden Ankers (und nicht wegen der mit Backbordschoten beinahe nicht zu überquerenden Linie). Der zweite Versuch klappte (weil der Anker hielt).

 

Danach mein persönliches Gemetzel mit den Bedingungen: So gut wie kein Wind aus mehreren Richtungen; Böen selten von dort, woher sie erwartet wurden beziehungsweise ich sie erhoffte! Die Bojendiagramme lassen erkennen, dass auch bei den anderen nicht alles nach Wunsch lief. Im Ziel jedoch – wie gewohnt – die Guten vorne und gleich danach ich als 4. Auf der letzten Vorwind hatte der Windgott Mitleid mit mir und kein Erbarmen mit denen, die sich zu weit nach Luv wagten, was mir die Ehre den Bericht schreiben zu dürfen zu Teil werden ließ. „Danke, Gerhard!“

 

Danach (leider ?) kein nächster Start möglich. Deshalb Schlepp nach Hause und Warten … auf Wind vergeblich, aber erfolgreich auf Freibier und Seglergrillen. (Damit kein Missverständnis aufkommt: Gemeint ist Grillen für - nicht der - Segler.)

 

Essen, Trinken und Ratschen im kleinen Keis und schnell erledigt. Einzig der Wirt und ich hielten bis fast Mitternacht durch, was ihn aber nicht davon abhielt, am Sonntag bereits ab 8 Uhr eine wunderbare Eierspeis mit Zwiebel und Kräutern zum Frühstück zu servieren. „Danke, Udo!“

 

Der Vormittag verlief mit Warten und dem „Ich-Zeig-Dir-Meine-Du-Zeigst-Mir-Deine-Segel-Mast-&-Rest-Vergleiche“ dennoch nicht langweilig. Kurz nach Mittag - der Wettfahrtleiter soll Recht behalten haben – ein Lüfterl aus ungefähr Süd. Auslaufen, Starten, (was mich betrifft) Ärgern, 2 Runden, Zieleinlauf und dann noch einmal das gleiche unerfreuliche Prozedere.

 

Beim Hafenrace, bei dem fast alle auf ein paar Meter beisammen segelten, Debatten und Klagen über Seitenwahl, Dreher, Windstriche, Kipper und was sonst noch zum Verhängnis werden kann. Die Zusammenfassung vom – Gratuliere!!! – siegreichen Bernd Moser: „Waging halt.“

 

An Land die Einheimischen darauf angesprochen: “Ja, aber Waging gibt es überall.”

Meine Meinung dazu: Das ist schon richtig, aber eben ganz besonders und sehr sehr speziell in Waging.

 

Slippen, Zusammenpacken, aus hygienischen Gründen noch schnell ins Wasser und Siegerehrung! Diesmal (“Danke Finns!”) bekamen wir die Sachspenden: “Danke, Roland!“

 

Alles in allem war es – von meinen persönliche Unzulänglichkeiten beim Regattieren abgesehen - wieder einmal ein superfeines Segelwochenende mit und bei Freunden, das sich – egal wann, wie und woher der Wind weht - mehr Teilnehmer verdient hätte. “Waging halt!”

 

 

Andreas Knittel, AUT 104

Mattsee am 30. Juni 2022

 

 

PS: Am imposanten Fahnenmast war nicht die Geschichtsträchtige, letztes Jahr restituierte Bayrische zu sehen. Entweder wurde sie unseren Gastgebern schon wieder “g’stess’n” oder sie wurde getreu dem Verdacht “Wie der Vater so der Sohn” vorsorglich abgenommen?