Liebe O-Jollen Freunde,

 

Meine subjektive Nachbetrachtung zur IDM 2022 am Müggelsee.

Vorweg: Es ist kein klassischer Bericht zur Veranstaltung, sondern ich möchte - zugegeben nur splitterhaft - zu seglerischen Aspekten der Regatta reflektieren - mit kleinen „Abschweifungen“!

 

„Fieldsplitting“

Die Teilung in 2 Startgruppen a 45 Segler pro Wettfahrt hat sich als richtig und zielführend herausgestellt.

Das Gemetzel an der 1. Luvtonne wurde deutlich verringert und in Lee gab´s ein gate, was in der Regel auch ordentliches Segeln zuließ.

Dies muss man sich für zukünftige Großveranstaltungen merken.

 

„Kleinräumiges Revier mit wilden Windschwankungen“

Vor allem am ersten Wettfahrtstag gab es bei großteils leichtem Wind große Schwankungen in Windstärke und Windrichtung.

Bereits beim Windstudium vor der ersten Wettfahrt war mir klar: Diverse Windrichtungen feststellbar, aber für mich kein Muster erkennbar.

Und so sah dann auch der Zieleinlauf aus.

Würde ich die richtige Taktikgewichtung für die zweiten Kreuzen nach Prozent bewerten wollen, also welche Rolle feldtaktische bzw. windtaktische Einschätzungen gespielt haben, würde ich sagen:

10% Feldtaktik und 90% Windtaktik – radikales „auf die Windkarte“ setzen war angesagt.

10 oder 15 Plätze nach vor oder zurück waren kein Problem, selbst am letzten Vorwind konnte man noch ordentlich in die Germ fahren.

 

„Bootsspeed_1.0“

Bootsspeed ist alles, sagt man und das zurecht. Kann man in großen Feldern die erste Reihe aus Geschwindigkeitsgründen nicht halten, geht’s gnadenlos zurück.

Links fahren schnelle, in der Mitte fahren schnelle und rechts fahren schnelle – da wird´s schwer, vorn dabei zu bleiben.

Bootsspeed ist daher ganz oben am Trainingsplan!

 

„Bootsspeed_2.0“

Mit Mark Bosma, einem Bären von Mann gegen den ich mit meinen 1.92m und 95kg wie ein verhungertes Waisenkind aussehe, konnte ich mich über downwindspeed, nachdem er in der ersten Wettfahrt bei Leichtwind an mir vorbei getrieben war, unterhalten.

Wieviel Tiefe braucht das O-Jollen Segel am downwind, um schnell zu sein? Ergebnis: Wahrscheinlich mehr als ich gewohnt bin zu fahren.

Und wieviel Baumniederholerzug, sprich Achterliekszug, braucht´s, um schnell bergab zu fahren? Ergebnis: Wahrscheinlich mehr als ich gewohnt bin zu fahren.

 

„20 Knoten plus“

Am letzten Wettfahrtstag kam nur eine Wettfahrt zustande, da der Wind schon während des Rennen der 1 Gruppe von 10kn auf +20kn angeschwollen war.

Am Startschiff hat man 24kn Grundwind gemessen mit Böen darüber, also wirklich viel Wind.

Bergauf ist das dann natürlich auch ein Frage des settings, ob man noch fährt oder ob man nur mehr über die Regattabahn torkelt.

Aber es ist vor allem eine Frage der Steuertechnik und der Übung, wie Olaf Wahrendorf mit +/- 76 Jahren und einem 6 Platz eindrucksvoll bewiesen hat – also Starkwind segeln üben.

 

Es hat sich für mich gezeigt, welch belastbares Boot eine gepflegte und entsprechend gewartete Regatta O-Jolle ist.

Es haben sich zwar viele Segler aus verschiedensten Gründen bei diesen Bedingungen „verabschiedet“, nicht so aber Ihre Boote.

Heißt: Es ist nix gebrochen - ich hörte nur von gerissenen Wanten - oder hat sich in seine Einzelteile aufgelöst - super Starkwindboot!

 

„Rocking the run“

Wie stabil man eine O-Jolle bei 20kn plus den Vorwind fahren kann, ist ja bekannt. Es gibt aber eine Eigenschaft (die ich vom Laser eigentlich nicht so kannte) und die ich unterschätz habe:

Unterschneiden!

Kurze vor der (letzten) Leetonne war eine kurze Böenpause, das Schiff kam aus dem gleiten und wurde - von mir platt vorm Wind gesegelt in Vorbereitung auf die finale Halse - von der nächsten heranrollenden Böe über den Bug gnadenlos unter Wasser gedrückt. Vollgelaufen und instabil hat sich das Boot langsam auf die Seite gelegt und ich musste turnen, um meine Platzierung so irgendwie zu retten.

Natürlich war´s mein Fehler, weil ich im entscheidenden Augenblick auslenken hätte müssen, um das Boot auf einer tiefen Raumen wieder auf Geschwindigkeit, auf Gleitfahrt zu bringen – aber im Nachhinein ist man immer g´scheiter.

Aber für die nächste Starkwindwettfahrt bin ich gewarnt - und ihr jetzt auch!

 

„Nur 2 österreichische Teilnehmer bei 90 Startern“

Hier kann man nur hoffen, dass die nun schon oft zitierten Worte unseres Herren Bundespräsidenten auch hierfür zukünftig gelten:

„So sind wir nicht“.

Heißt, dass doch der eine oder andere österreichische O-Jollen Segler an ausländischen Meisterschaften teilnehmen wird.

 

 

Bis bald am Traunsee!

 

Martin